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Nussara (Avou) & Jürgen Wittmann

Seit Anfang 2011 sind wir ein Paar und leben teils in den Bergen von Nordthailand und teils in Deutschland (siehe Kontakt)

Dadurch, dass Avou eine große Familie mit vier Schwestern und einem Bruder hat und ihr Vater der erste Dorfchef bei der Gründung des Lisu Dorfes „Ban Nam Rin“ vor ca. 60 Jahren war, hatte jedes der Kinder einen gerechten Teil an Farmland erhalten. Außer ihres Studiums und Jobs in benachbarten Städten hat Avou ihr Leben in dem Dorf verbracht, zu dem sie auch eine sehr enge Bindung hat.
Ich bin auf einem Bauernhof in einem Dorf in Bayern aufgewachsen und war in der Vergangenheit in der Projekt- und Logistikplanung für die Maschinenbau- und Automobilindustrie weltweit freiberuflich tätig.

Neben der Kultivierung unserer eigenen Kaffees besteht unsere Hauptarbeit in der Zusammenarbeit mit den Bergvölkern, von denen wir unsere Rohkaffees & Tees beziehen. Hierbei gehen wir sehr "tief" auf die jeweilige Zusammenarbeit ein. Bedeutet, wir sind von den Ernten, über die Aufbereitung mit Schälung und Sortierung bis hin zur Abfüllung der Säcke und Transporte dieser sehr nahe dran, bzw. bringen uns sehr oft als helfende Hand bei unseren Partnern mit ein. Auch werden Optimierungen (Ernte, Aufbereitung, Trocknung, Sortierung, Dünger...), Erweiterungen (Trockentische, Neupflanzungen...), Neuanschaffugnen (Pulper, Dry Mill), usw. gemeinsam mit den Partnern im Detail besprochen und auch gemeinsam umgesetzt.
Zusätzlich zu der vielen Fahrerei und der Zeit Vorort in den Kaffeedörfern, ist das Ganze mit sehr viel Abstimmungs- und Koordinationsarbeit mit allen Beteiligten aus den verschiedenen Dörfer, welche jeweils ca. 5 Std. Autofahrt auseinander liegen verbunden.
Auch Proberöstungen und Verkostungen, während und nach der Erntezeit, sowohl in Thailand (teilweise zusammen mit unseren Koopertivenpartner), als auch in Deutschland nach Ankunft der Kaffees werden regelmäßig von uns durchgeführt.

Auch die sprachliche Vielfalt und das nötige kulturelle Verständniss mit dem gewissen Feingefühl (gegenüber den Thais oder den verschiedenen Bergstämmen) bringen wir mit. Mit Englisch kommt man in der Gegend nicht weit, so kann Avou neben ihren „normalen“ Sprachen Thai, Englisch und Deutsch ihr ganzes Reportoire an Dialekten (Nordthai, Lisu, Shan…) und auch ich meine mittelprächtigen Thaikenntnisse sinnvoll anwenden.

So können wir, denke ich, guten Gewissens behaupten, dass wir uns speziell auf dem Gebiet des Kaffees und dessen Weg vom Pflanzensetzling bis hin zum Röster sehr gut auskennen und wissen, wovon wir reden.

Zu unserer eigenen Kultivierung von Kaffee und Obst:

Wir haben aktuell ca. 3 Hektar (30.000 qm²) Farmland. Avou hatte dies aber bis zu unserem Kennenlernen aufgrund ihres Studiums und folgenden Vollzeitjobs bei der nächstgelegenen Stadtverwaltung kaum genutzt. So beschlossen wir 2012, dieses Land Schritt für Schritt in Kaffeeplantagen mit einhergehenden Obstgärten zu verwandeln.

Im Jahr 2012 und Anfang 2013 war die Tätigkeit dazu hauptsächlich von Vorarbeiten, wie das Land von wild wachsendem Tropenunkraut (Bambus…) zu befreien, Kilometerlange Wasserrohre zu einem höher gelegenen Bergfluß verlegen, auf den Plantagen Wassertanks bauen und das Bewässerungssystem auszubauen geprägt.

Zudem haben wir andere Hilltribe Dörfer, die bereits lange Erfahrung mit der Kultivierung von Kaffee und Obstbäumen haben, das Forschungszentrum für Landwirtschaft in Chiang Mai, usw. über die einzelnen Schritte intensiv befragt, um jeweils das Beste aus all den Informationen auf unseren eigenen Plantagen umzusetzen.

In dieser Entstehungsphase haben wir uns ebenso ein Netzwerk aufgebaut um stets an qualitativ hochwertige Jungpflanzen zu kommen.
So haben wir nun bis Ende 2014, verteilt auf 1,5 Hektar ca. 1.500 Kaffeebäume verschiedenster Arabica Varietäten (Catimor, Yellow und Red Catuai, Yellow und Red Caturra, San Ramon, Kona, Mundo Novo, Ruiru, Typica, Kent, K7, Arusha) und ca. 500 Wald- und Obstbäume gepflanzt. Diese wiederum teilen sich in sieben verschieden Baumarten auf, davon vier Obstsorten (Avocado, Litchi, Lam Yai, Pamelo), die sehr gut zum Kaffee hinsichtlich Wachstum um Schatten zu spenden, Bodennährstoffe evtl. auftretender Schädlinge und deren natürlichen Bekämpfung passen.

Jährlich in der Regenzeit (Juni-September) werden wir weitere Pflanzungen vornehmen und so wächst Jahr für Jahr unser ganzer Stolz, in den wir kontinuierlich viel Zeit, Geduld, harte Arbeit und auch Geld stecken.

Neben dem ganzen „Drum herum“ legen wir auch stets bei den harten körperlichen Arbeiten selbst Hand an, was allerdings aufgrund der Größe der einzelnen Plantagen, der Vielfalt an jungen Bäumen, verbunden mit der bestmöglichsten Bewirtschaftung nur mit der Hilfe von zuverlässigen Arbeitern zu bewerkstelligen ist. Dazu muss alles in schwerster Handarbeit erledigt werden, da die Plantagen entweder an steilen Hängen liegen oder nur schwer zugänglich sind.
Wir achten stets darauf, dass wir Leute aus dem Dorf oder Umgebung, die kein eigenes Farmland besitzen und auf andere Einnahmemöglichkeiten angewiesen sind, zu uns ins Boot zu holen. Auch Migranten aus Myanmar, welche mit nichts in der Hand, oft aus der Militärdiktatur geflohen nach Thailand kamen und dort auch „geduldet“ werden, jedoch deren Möglichkeiten zur Weiterentwicklung stark begrenzt sind, geben wir gerne eine Chance, bei uns ihr Geld zu verdienen.
Selbstverständlich für uns ist, für die jeweilige Arbeit angemessene Löhne zu zahlen, welche stets ca. doppelt so hoch sind, als in der Gegend üblich, zudem das Ganze in einem freundschaftlichen Verhältnis abläuft bei dem auch mal etwas gemütlicher gearbeitet werden kann, man die Leute abends ins Haus zum Essen und Trinken einlädt oder den Kindern eine Freude mit neuen Klamotten und Spielzeug macht.

Zudem interessieren wir uns auch für die Kultivierung von Tee in den Bergen Thailands, welches Wissen ihren Ursprung natürlich in China hat, seit Generationen übertragen wird und auch in Thailand eine Heimat für exklusiven Tee gefunden hat.
Wir haben mehrere sehr abgelegene Dörfer besucht, sind zudem bei den in Thailand bekannteren „Teebergen“ und deren Bewohner (teils Hilltribes, teils Chinesen) regelmäßig Vorort und beschäftigen uns intensiv mit dem Thema, um auch dieses wunderbare Naturprodukt dem deutschen Markt zugänglich zu machen.